Archiv der Kategorie: Manch anderes

Kreativer Querschnitt durchs Wochenende

Es läuft grad gut bei mir. Die Nase. Bunte Plastikteile rumstöpseln ist bewegungstechnisch oke. Jeder im Haushalt siecht so vor sich hin. Mehr oder minder schwer. Jeder von uns hat was am Laufen. Treffen uns regelmäßig zum Beschwerdeaustausch am Wasserkocher. Während der eine seine Wärmflasche frisch befüllt, kocht sich der andere das milliönste Tässchen Tee. Befüllte Taschentücher bringen den Abfallbehälter an seine Grenzen. Ein bisschen hierhin schleppen, ein bisschen dahin schleppen. Abwechslung ist etwas anderes. Das Leben draußen läuft ohne uns. Bei uns läuft nur die Nase.

 

 

 

Über mein „being social“ auf Instagram

Gäbe es sechs Level, mit welchem man das Geschick im Bedienen „moderner Technik“ (Handy, Computer, Fahrkartenautomaten, Navigationsgeräten, diverse Aufnahmegeräte…) messen könnte, hätte ich davon mühsam die zweite  Ebene erklommen. Level eins „medientechnischer Vollhorst“,  ist mit ach und krach überwunden. Jetzt bin ich ein „medientechnischer Teilhorst“. Gerade so kann ich Bilder auf Instagram hochladen, sie grob bearbeiten und ein paar Wörtchen dazu stopseln. Das war mein Stand, nach vierwöchiger Teilhaberschaft in dem großen Verein. Gestern, als ich wie so oft, etwas wirr mittels Handy, auf meinem Account herumdrückte, entdeckte ich Nachrichten für mich. Ich: „Hä?“ Eine sinnvolle Anfrage einer Followerin bezüglich einer verwendeten Farbe beim Kommodenumstyling. Ich: „Okeee, da kann man auch Nachrichten schreiben! Hilfe, wie kann ich die beantworten?“ Einfach unten in die freie Zeile zu schreiben schien mir zu profan. Wieder wildes Geklicke. Ich:“Mist!! Wo finde ich denn die Nachrichten an mich wieder?“. Irgenwann ploppte das Gesuchte auf. Ich außerstande meinen Weg dorthin mangels strukturierten Vorgehens nachzuvollziehen. Also. Inzwischen weiß ich, wie es funktioniert. Puhh! Zwei weitere Nachrichten entdeckt. „Wie ist das Wetter bei dir?“ Ich: „Hä? Warum wollen die zwei wissen, was wettertechnisch bei mir los ist?“ Dann ging mir, dem medientechnischen Teilhorst, ein Lichtlein auf. Jaaaaa, die Absender waren zwei Männer. Der Äntoni und ein anderer guy. Das müssen wirklich sehr, sehr häkelbegeisterte  Männer sein. Die wollten sich nur einleitend nach den meteorologischen Gegebenheiten bei mir erkundigen, um mir dann komplizierte Häkelmuster aus den Rippen zu leiern. Sicher, sicher! Da ist ja viel mehr möglich, als ich gedacht hätte. Wahnsinn. Deswegen auch die Umschreibung „soziales Netzwerk“ 😉 Tadah, wieder was dazu gelernt.
Und sonst? Tja, ich bin etwas hin- und hergerissen. Ich weiß nicht, ob ich so kompatibel mit einem so großen sozialen Gefüge, mit den Followern, dem Liken, dem Äntoni und anderen guys bin. Ich gucke öfter auf mein Handy als vorher. So total uneigennützig wie Mutter Teresa bin ich doch nicht. Leider. Persönliche Eitelkeiten werden schon angesprochen und irgendwie stört mich das. Der Umgang will noch erlernt werden. Gäbe es sechs Level auf der Kompetenzskala im persönlichen Umgang mit sozialen Medien, so würde ich mich auf Level eins einordnen, dem „sozialmedientechnischen Vollhorst“. Erklimme ich nicht in absehbarer Zeit höhere Gefilde, ja dann mach ich Winke, Winke und sag…

Ich und Wollläden

Meine Beziehung zu Wollgeschäften ist in letzter Zeit spannend. Das ist jetzt positiv formuliert.  In letzter Zeit hab ich also vermehrt Wollläden aufgesucht, um mir neues Arbeitsmaterial zu besorgen. Tut man ja dort. Wolle kaufen. Wollläden sind ja voll mit diesem Produkt.
Jetzt kommt das „aber“ ins Spiel. Mit meinen Produktwünschen stoße ich oft an die Grenzen des Machbaren. Nicht dass ich Wolle des kausakischen Hochebenenschafes kaufen möchte, welches von athletischen, halbnackten Jünglingen liebevoll versponnen und bei Vollmond unter rituellen Wollgesängen mit seltenen Pflanzenfasern, welche jahrzehntelang in handgemachten Eichenfässern ihre volle Farbwirkung entfaltet haben, eingefärbt wird. Nein, nein. Ich will nur Acrylgarn und manchmal ein einfaches Baumwollgarn.
Bei meinem Begehr ernte ich Blicke! „So etwas führen wir nicht!“,  „Gehen Sie mal zu Karstadt. Dort müsste es so etwas geben“ Das Ganze so von oben herab. Hab ich dann doch mal Glück in einem Laden, findet sich das Acrylgarn irgendwo tief unten im Regal oder das Baumwollgarn in einer dunklen Ecke. In einem von sieben Geschäften, erhalte ich das Gewünschte, wenn auch zu einem erheblich höheren Preis, wie im Internet.
Immer wieder gehe ich voll Vorfreude in Wollläden, um frustriert wieder herauszukommen. Es grüßt das Murmeltier.
Sorry! Ich häkle nur überwiegend Dekokram. Dafür brauche ich nicht ein Seiden-Alpaka-Gemisch, das Knäuel für 9 Euro. Ich bin ganz profan unterwegs, in meinem Hobby.
Selbst das Baumwollgarn ist Drama. Die Farbpalette unter aller Kanone. Nochmal Sorry! Anscheinend bin ich keine richtige Handarbeiterin. Verwende ich doch solchen Garnmüll. Garnmüll in den Augen diverser Wollladenbesitzer.
Jaaaaa, ich hab die Schnauze voll. Anders kann ich es nicht mehr formulieren. So eine elitäre Wollklassengesellschaft. Bum! Wieder mal blicke ich neidisch zu den Niederländern. Sie kultivieren das „profane“. Baumwolle in den schönsten Farben und nettes Häkelschnickeldi ohne Ende. Bäm.
So. Gehe jetzt ins Internet und bestell mir das was ich brauche. Ganz entspannt, ohne pikierte Blicke zu ernten. Nebenbei trink ich ein Tässchen Kaffee und genieße die angebotene Vielfalt.

Ganz was anderes – finde ich total cool!

Ein kleiner Bahnhof im Wald. Das Bahnhofshäuschen und ein kleines Nebengebäude, verfallen. Am Fahrradständer ein demoliertes, verrostetes Rad. Angekettet seit Monaten.
Zusteigemöglichkeit zur Regionalbahn. Das funktioniert.  Dieser Bahnhof würde sich nächtens wunderbar als Drehort für einen sehr, sehr gruseligen Film eignen. Habe die Atmosphäre schon mehrfach getestet. 100 Punkte.
Aber es gibt auch Schönes. An besagtem Nebengebäude hat sich ein Sprayer verlustiert. Sehr gelungen, wie ich finde. Sozusagen Graffitikunst angebracht. Seht selbst:

 

 

 

 

 

 

 

Über’s „dabei sein“

Ich bin auch dabei.
Angekommen in einem großen sozialen Netzwerk, auf Instagram. Find ich gut denn, ohne viel technischen Aufwand kann ich meinen Fotokram hochladen. Ganz einfach.
Und dann aber die Sache mit den Followern, dem Verfolgen, auf der Spur sein.
Nach dem Motto „wie du mir, so ich dir“ wird vielfach gefolgt. Menno! Und ich dachte es wäre eine fortschrittliche Plattform. Ist ja teilweise wie auf dem Dorf. Grüßt er dich, grüßt du ihn. Grüßt er dich nicht, du ihn dann auch nicht. Folgst du mir, folge ich dir. Und man kann auch entfolgen. Interessant. Ich treffe jemanden auf der Straße und sage „Hallo“ und dann sage ich: „Das Hallo nehm ich wieder zurück“.
Oder sehe ich die Sache zu einfach oder zu verquer? Tja, das soziale Miteinander, eine nie endende Baustelle, schlimmer als der Berliner Flughafen. Der wird ja mal… Beziehungskisten, never and never. Kaum ein Loch gestopft, schon brennt es an einer anderen Ecke. Bitte erfindet doch mal einen zwischenmenschlichen Gefühlsbrandlöscher. Entfolgen, ein irgendwie paradoxes Wort. Entlaufen kann ich ja noch verstehen. Oder entgehen. Gehe ich da erst jemandem nach und dann nicht mehr? Nein, nein, nicht. Diese Wortgedankenspiele machen einen ja kirre. Also entfolgen ist auf Instagram entfolgen. Basta.
Verfolgen oder followern, ein Follower sein ist auch der Wahnsinn. Ich bekomme Minderwertigkeitskomplexe! Ich muss doof sein. Ich kann das nicht, so vielen zu folgen. So zwanzig schaff ich gerade noch, aber Hunderten zu folgen, soviel gibt mein Geist nicht her. Geschweige denn Zeit. Ich müsste Tag und Nacht durchfollowern. Klogehen, nicht mehr möglich.  „Was willst du auf Instagram? Follower sammeln?“ fragte mich jemand. Ich: „Hä? Follower sammeln? Eigentlich wollte ich nur nett Bildchen hochladen, von Dingen die mir gefallen!“ Bin ich ein Paria, Aussätziger, wenn ich fast keine Verfolger habe? Bin ich dann nicht gut? Ein bemitleidenswertes Wesen? Oh Gott! Ich denke mal, das bin ich für viele. Tut mir aber nicht weh. Ich seh es wie ein virtuelles Schaufenster, in welches ich meine Bildchen reinstelle. Ab und an kommt jemand vorbei und hinterlässt ein Herzchen oder auch keins. Wenn es ein paar gefällt, ist es schön. Aber ich bin nicht abhängig. Ich tu es für mich. Fotografiere einfach gern, probier neues aus und schau dann mal. Toll ist ja auch, dass man das Gemecker der anderen nicht hört, das Naserümpfen über etwas nicht sieht. Es gibt kein „Antiherz“. Keinen Daumen nach oben und nach unten. Also Freiraum, sich selbst und nebenbei anderen Freude zu bereiten.