Ein Vorstadtmärchen

Vor nicht allzu langer Zeit lebte eine kleine Familie in einer netten Siedlung, welche um ein kleines beschauliches Städtchen gebaut war. Ruhig war es dort, nichts störte die Idylle. Die Vöglein zwitscherten gar lustig und ab und an strich eine Katze durch den Garten, um eines von ihnen zu haschen, aber es gelang ihr nicht. Vater und Mutter waren redlich fleißige Menschen. Mit ihren wohlgeratenen Kindern, einem Mädchen und einem Büblein, führten sie ein gutes Leben in ihrem eigenen Haus. Der angesehene Direktor der Bank lieh ihnen vor Jahren Geld, um ihren Traum vom Eigenheime wahr werden zu lassen. So arbeiteten beide Eltern fleißig, um die Schulden abzubezahlen. So schön hätte ihr Leben sein können, wäre da nicht der garstige Nachbar gewesen. Er war kein guter Mensch. Sein Herz kannte keine Freude, aber sein Säckel mit Geld war prall gefüllt, denn er wusste sich zu geben, zu ducken und zu treten, wenn es an der Zeit war.
Eines Tages zog eine Welle der Erkrankung übers Land. Die Leute blieben zuhause voller Angst. Sorgenvoll saß die kleine Familie am Abendbrottisch und betete, dass keiner von ihnen sterben möge. Der Nachbar, in dessen Garten nie ein Vöglein zwitscherte, witterte jedoch große Geschäfte und ging in die Welt. Er verstand es, auf’s trefflichste, das Geld der ängstlichen Menschen in seinen übergroßen Geldsack wandern zu lassen.
Nach vielen Monaten ward die große Angst überstanden. Der Vater und die Mutter fuhren wieder in die große Fabrik außerhalb der Stadt, in der sie arbeiteten. Ihre Kinder besuchten wieder die Schule und lernten fleißig, auf dass sie später auch eine Anstellung in der Fabrik bekämen. Eines morgens, die Sonne schien freundlich und warm vom Himmel, als der Vater und die Mutter das Hause verließen, um sich auf den Weg zu ihrer Arbeit zu machen, stellte sich der garstige Nachbar ihnen in den Weg. „Fegt meine Hofeinfahrt und wascht meinen Wagen“, befahl er den beiden. Sie wichen erschrocken zurück. „Du hast uns nichts zu befehlen, Nachbar!“ trat der Vater vor den Mann. „Oh doch“, lachte dieser höhnisch. „Die Fabrik gehört jetzt mir und macht ihr nicht was ich euch befehle, dann sollt ihr auch nicht mehr arbeiten bei mir. Nirgends werdet ihr in Lohn und Brot kommen, denn mir gehört die Stadt, ja fast das ganze Land!“ Und so kam es, dass die Eltern dem bösen Nachbarn dienen mussten, ob sie nun wollten oder nicht und es nahm kein Ende. Für die Menschen brach eine schlimme Zeit an, denn das Geld des Nachbarn regierte die Welt. Die Bewohner des Städtchens mussten zu Fuß, oft stundenlang, in die Arbeit laufen, denn den Verkehr und Gestank der Autos mochte der böse Mann nicht leiden. Nur der Bankdirektor, der Bürgermeister und wenig andere reiche Menschen, die es verstanden zu Kreuze zu kriechen, durften ihre Fahrzeuge noch nutzen. Voll von bösen Gedanken ließ der Herrscher Plakate drucken, auf denen er um das Leid der Vögelein und Häschen klagte. Er rief alle auf ihre Häuser abzureißen, um der Natur zu helfen, damit das Getier wieder gut leben könne. Den armen Menschen bot er eine große Unterkunft direkt neben der Fabrik an, so müssten sie nicht stundenlang zu Fuß übers Land marschieren. Neben ihrem Arbeitsorte wäre der beste Platz für sie. Vater, Mutter und ihre Kinderlein weinten bitterlich, als sie sahen, wie ihr schönes Häuslein weggerissen wurde. Mit gesenkten Häuptern und schweren Schrittes zogen sie mit den wenigen Habseligkeiten in das Haus neben der Fabrik, wie viele, viele andere. Über dem Eingang stand ein gar schöner Spruch „Ihr werdet nichts mehr besitzen und doch glücklich sein“.

4 Gedanken zu „Ein Vorstadtmärchen

  1. Puh, was für ein garstige Geschichte. Sie macht mir richtig Angst und führt mir vor Augen, wie schnell es gehen kann. Lasst uns alle hoffen und beten, dass dies nicht eintritt. Dank dir, liebe Jutta, und alle anderen hier, habe ich diese Hoffnung. Und ich kenne viele Ungeschlumpfte (mein absolutes Lieblingswort), die so denken wie wir. Und viele Geschlumpfte, die unserer Meinung sind, dass jeder selbst entscheiden soll. Bis jetzt wurde ich noch nicht ausgeschlossen.
    Habt einen entspannten 4. Advent mit Keks, Punsch und Wollarbeiten.

  2. Eines Tages ..
    klopfte es an meiner Tür.
    Ich öffnete und vor mir stand ein kleines,
    fast durchsichtiges Wesen. „Grüß Dich,“ sagte es.
    „Ich bin das Vertrauen.
    Du hast mich so lange nicht beachtet,
    deshalb bin ich hier, ich will nicht ganz verschwinden.
    Darf ich herein?“
    Es wartete meine Antwort nicht ab,
    kam durch die Tür und blieb wie angewurzelt stehen.
    „Oh je!“, rief es aus, „Das hab ich fast erwartet.“
    Ich sah mich um und war irritiert. Alles war wie immer.
    Auf der Couch saß wie immer die Enttäuschung, zusammen mit der Hoffnungslosigkeit.
    Beides keine sehr angenehmen Mitbewohner,
    die sich zudem im Laufe der Zeit extrem breit gemacht hatten,
    so dass ich selbst kaum noch Platz hatte.

    Vorm Fernseher
    lümmelten sich die Langeweile
    und die Phantasielosigkeit
    und stopfen sich mit Chips voll.
    Mein Bett hatte die Traurigkeit in Beschlag genommen, weinte die ganze Zeit leise vor sich hin und wurde immer dann so richtig laut,
    wenn ich schlafen wollte.
    Überhaupt war der Krach von allen kaum auszuhalten,
    so dass ich mich immer mehr auf einen kleinen Hocker in der Ecke zurück gezogen hatte.

    „Nein!“, rief das Vertrauen laut. „So geht das aber nicht. Schämt ihr euch nicht,
    soviel Raum einzunehmen.
    Wo sind denn die Liebe hin und der Mut,
    die Energie und die Freude!?“ Es wurde ganz still.
    Alle schauten ratlos. „Ich weiß es nicht,
    ich habe sie lange nicht gesehen.
    Die Liebe war eh kaum da,
    aber Energie, Mut und Phantasie waren früher mehr“ antwortete ich leise.

    Das Vertrauen sah mich mitfühlend an,
    kam auf mich zu und nahm mich in die Arme.
    „Fühlst du das?“ fragte es.
    Obwohl es so zart war, war es, als hätte es mich komplett in eine dicke weiche Decke eingehüllt.
    Ich fühlte mich wunderbar geborgen und machte die Augen zu. Alles in mir und außen war schlagartig ruhig.

    „Spür jetzt mal in dich“, flüsterte das Vertrauen sanft. „Merkst du das Rauschen in dir, fühlst du deinen Herzschlag? Jede deiner Zellen versorgt dich jeden Tag mit Energie, dein Herz klopft in einem steten Rhythmus, wie ein Motor. Dein Blut rauscht durch Dich hindurch und hat immer eine angenehme Temperatur. Du bist als Wunder erschaffen worden, in dem alles tadellos funktioniert. Du bist Liebe, die eine sichtbare Gestalt bekommen hat. Wenn du Dir selbst genug Aufmerksamkeit schenkst merkst Du, Du bist das Wichtigste in Deinem Leben. Hör in Dich. Vertrau Dir.“

    Ich öffnete die Augen, wie nach einem langen, wunderschönen Traum und sah mich um.
    Der Raum um mich war verändert. Alle negativen Gefühle, die ich viel zu lange hier hatte wohnen lassen, waren merklich geschrumpft. Die Energie war auch wieder aufgetaucht und hielt die Phantasie an der Hand, auch die Zufriedenheit versteckte sich schon, noch ein wenig klein, hinter den Beiden. Das Glück hatte sich beschützend hinter allen aufgebaut. Und in der Luft die vorher schal und abgestanden roch, war ein wundervoller Geruch, der alles umgab.

    „Was ist das?“, fragte ich das Vertrauen.
    „Das“, lächelte es,“ist die Liebe.
    Sie war immer da,
    sie brauchte nur etwas mehr Beachtung.
    Aber wenn sie die hat, wächst sie extrem schnell.
    Oh, und wenn Du sie teilst,
    dann wird sie allumfassend!

    Ihr Lieben, an dieser Stelle möchte ich mich an diesem “Freutag” bei jedem Einzelnen hier bedanken❤️🙏
    Danke für Dein Sein!
    Danke für Dein Vertrauen!
    Danke für Deinen Mut!
    Danke für Deine Fragen!
    Danke für Dein Lachen !
    Danke für Deine Tränen!
    Danke für Dein persönliches Wachstum!
    Danke für Deine Zuverlässigkeit!

    Eine schöne Vorweihnachtszeit für Dich und Deine Familie❤️🙏

    Alles Liebe sendet euch Gabriele

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