…während ich im Garten sitze und häkle. Was bin ich doch privilegiert. Kann in den Garten wann ich will.
Meine Seniorengruppe, die ich regelmäßig besuchte um gemeinsam Schönes zu tun, darf ich nicht mehr sehen. Vorsichtsmaßnahme zu ihrem Schutz. Familie darf auch nicht mehr rein. Hätte ich vorher den alten Menschen beim Essen geholfen, dann wäre das jetzt kein Thema für mich, dann dürfte ich… Wieviel Wert hat das psychische Wohlbefinden? Hm.
Sie leben in einem Seniorenheim. Vor- und Nachmittags ist jeweils eine Stunde Aufenthalt im Garten erlaubt. Es sind fast alle draußen. Ruhe genießen? Kaum möglich. Hofgang. Erinnert an Knast. Ich halte telefonischen Kontakt zu einer lieben Bewohnerin, versorge sie mit Büchern. Sie ist 90 Jahre alt und sagte gestern zu mir: „Es ist schlimm. Wir leben noch Wochen oder Monate aufgrund unseres Alters und dürfen in der letzten uns verbleibenden Zeit unsere Lieben nicht mehr sehen.“
Ein Massensterben in Altenheimen will niemand, durch einen zu lockeren Umgang.
Was macht eine Altenpflegerin, die versehentlich Bewohner ansteckt, in einem Stadium, in welchem sie selbst nicht merkt, dass sie krank ist? Fühlt sie sich als Massenmörderin? Wie würde ich mich fühlen, falls ich meinen Mann, Kinder, Kollegen… anstecken würde. Wird mit dem Finger auf Menschen gezeigt die erkranken, weil sie sich „nicht ausreichend gewissenhaft“ an Beschränkungen gehalten haben, obwohl sie es doch taten? Wird eine Unterstellungslawine in Gang gesetzt? Hm.
Ich kenne „Höchstrisikopatienten“, Menschen die sich in einer Krebsbehandlung befinden. Einige von ihnen gehen ihrem normalen Arbeitsalltag nach. Haben Kontakt zu Mitmenschen. Sie würden an einer Isolation zugrunde gehen. Wissen sie doch um die Endlichkeit ihres Lebens. Wochen oder Monate, die ihnen noch bleiben. Für sie zählt jeder Tag gelebten Lebens. Andere Kranke gehen nicht mehr außer Haus. Verwehren sich den Kontakt zu Enkelkindern… Inzwischen kann ich beide Verhaltensweisen verstehen. Jeder von ihnen handelt richtig für sich.
Habe neulich einen Karton mit Dingen zum Verschenken auf die Straße gestellt. Eine erste Reaktion von einem vorbeiradelnden Paar war: „Oh, Corona, weiterradeln!“ Da fühlte ich mich schlecht. Ich wollte doch nur meinen Mitmenschen eine Freude bereiten. Im Supermarkt, im Baumarkt, überall Waren die angefasst werden… Das Risiko sich beim Einkaufen anzustecken geht gegen null, so ein anerkannter Virologe. Werden wir nicht paranoid! Diese Zeilen lesen Blogbesucher und denken: „Aber aus meinem Bekanntenkreis hat sich ein Paar infiziert. Der Mann inzwischen verstorben und die Frau noch auf Intensiv…“ Ja. Seit es Menschen gibt passieren täglich Katastrophen. Mitmenschen scheiden unter tragischen Umständen aus dem Leben. So ist es. Und jetzt – ein abschließender Satz: Tja, da fällt mir leider keiner ein.
Ja, habe einen: Es werden mehr Menschen an den wirtschaftlichen Beschränkungen durch die Pandemie sterben, als an dem Virus selbst – so die Einschätzung eines Wissenschaftlers.
Sie verhungern still und leise – ohne eine große Schlagzeile zu hinterlassen.














































