Archiv der Kategorie: Manch anderes

Umfunktionieren, einen neuen Sinn geben

Die Töchter sind groß und gehen in die weite Welt hinaus. Im Keller lagern viele Einmachgläser. Zu viele für mich und meinen Mann. Ich gebe ihnen einen neuen Sinn. Funktioniere sie einfach um. Nicht mehr zum Bevorraten sondern sie werden Windlichter, Blumenvasen oder einfach nur bunte Hinstellerlies.
Ach, wenn das mit dem Umfunktionieren  von der Mutterrolle zur – ähm – wieder mehr Frau auch so einfach zu bewerkstelligen wäre. Mit etlichen Knäuel Wolle mich einfach in die neue Rolle fabrizieren. Ohne viele Fragezeichen im Kopf, ohne das nicht einfache Loslassen. „Ich häkle mir eine neue Identität“ oder „Raus aus der Sinnkrise – Die Häkelnadel zeigt dir den Weg“. Ein buntes Anleitungsbuch für Frauen in der Lebensmitte, in den Wechseljahren, welche eine sich wandelnde Familiensituation zu bewerkstelligen haben, wäre schon schön. Einfache Schritt für Schritt Anleitungen, reichhaltig bebildert, dass keine Fragen offen bleiben…
Träumen kann man ja mal 🙂

 

Ich lasse das soziale Netzwerk laufen

Dass ich nicht facebookkompatibel bin, weiß ich. Da hat es mich irgendwie noch nie hingezogen. Wie bei Instagram der Hase läuft, weiß ich jetzt auch. Der Hase läuft schnell, aber sowas von. Da bin ich sportlich nicht ausreichend fit für. Also nicht „fit for fun“. Einfach Bilder hochladen, hat oder hatte schon seinen Reiz, zu Anfang. Schnelle Rückmeldung mittels eines Herzchens. Ist ja auch herzig. Da tu ich mal nichts weg von.
Ich lade da was hoch und wahrscheinlich 5 Milliarden andere auch. Eine bunte Bilderflut ergießt sich aufs Handy oder den PC. Ja fast schon ein Bildertsunamie.
Ich habe mich über die netten Kommentare gefreut und habe selber welche geschrieben. Und ich habe die letzte Zeit gemerkt, dass ich nicht ganz frei sein kann. Irgendwie bin ich oldschool. Nicht mit dem Handy in der Hand sozialisiert worden. Erhalte oder erhielt ich einen Kommentar, machte ich mir einen Kopf, ob jetzt zu antworten sei oder nicht. Vielleicht bin ich zu schnell und euphorisch losgeprescht. Na und. Man kann sich ja mal leidenschaftlich etwas hingeben. Klick – nettes Häkelbildchen hochladen und etwas gespannt sein, wie die Reaktion ist. Ich gebe es zum wiederholten Mal zu: mein Handeln ist nicht ganz frei von Eigennutz. Muss es auch nicht. Mir selber soll es schon auch gut gehen. So. Jetzt hab ich mich genug vor mir gerechtfertigt 😉
Also. Mit dem Posten von meinen Herzensdingen, meinen Häkelstücken, welche nach langer Zeit eines Schranklebens wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben, hatte ich zunehmend das Gefühl, das mein Fabriziertes sich vom Gefühl her aushöhlt. Beim Häkeln setzte sich ab und an Frau Kommtdasgutan neben mich. Beäugte mein Stück und monierte dass ein schnellerer Output auch nicht von schlechten Eltern wäre. Frau Kommtdasgutan ging mir zunehmend auf den Keks. Wenn du das Gefühl hast, jemand schaut dir über die Schulter – nicht so prickelnd.
Um den bunten Instagramgedankensalat wieder auf den Punkt zu bringen: Ich bin zu bodenständig, zu verantwortungsbewußt in meinen sozialen Kontakten. Diesem schnelllebigen Herzchenaustausch fühle ich mich in meiner Art nicht gewachsen. Er überfordert mich. Vor allem jetzt, da krankheitsbedingt die volle Leistungsfähigkeit noch nicht erreicht ist. Um so eindringlicher die Erkenntnis, dass ich schöne Blogbeiträge einfach liebe. Ich kann mit viel Ruhe in den Beitrag eintauchen, kurze oder ausgefeilte Gedanken durch das Verweilen mitnachvollziehen.  Leider macht sich in der bunten Blogwelt der Konsum breit. Die Persönlichkeit des Schreibers geht zunehmend auf Kosten von Produktplazierungen flöten. Leider wird vieles kommerzieller und verliert an Charme. Für mich. Wichtig ist eine gute Balance. Ich will nicht in jedem zweiten Beitrag die Möglichkeit haben, irgendein Produkt zu gewinnen.
Ja, ich will spazieren gehen, weil ich es will ohne das Handy dabei zu haben, um einen likewürdigen Moment für das schnelle Netz einzufangen. Ich will häkeln, weil ich es will oder nicht zu häkeln, weil ich keine Lust darauf habe. Mit meinem Blog hier kann ich meine Freiheit viel besser ausleben. Auch wenn sich ein Hauch von „könnte mal wieder einen Beitrag einstellen“ hier erspüren lässt. Mit diesem Hauch kann ich gut umgehen.
Ganz pathetisch sage ich: Ich will frei sein! Das soziale Netzwerk tut mir nicht gut. Deswegen nehme ich aus der Sidebar meinen Instagrambutton. Lasse meinen Account fürs Erste einfach so stehen. Schaue mal was die Zeit so bringt. Ob ich mich rauslösche oder…
Ein Kabarettist auf Bayern2 sagte vor kurzem etwas sehr gutes: Da sitzen die Menschen vor dem Handy, PC und vereinsamen auf der Suche nach Freunden im sozialen Netzwerk.
Wie wahr!

Kreativer Querschnitt durchs Wochenende

Es läuft grad gut bei mir. Die Nase. Bunte Plastikteile rumstöpseln ist bewegungstechnisch oke. Jeder im Haushalt siecht so vor sich hin. Mehr oder minder schwer. Jeder von uns hat was am Laufen. Treffen uns regelmäßig zum Beschwerdeaustausch am Wasserkocher. Während der eine seine Wärmflasche frisch befüllt, kocht sich der andere das milliönste Tässchen Tee. Befüllte Taschentücher bringen den Abfallbehälter an seine Grenzen. Ein bisschen hierhin schleppen, ein bisschen dahin schleppen. Abwechslung ist etwas anderes. Das Leben draußen läuft ohne uns. Bei uns läuft nur die Nase.

 

 

 

Über mein „being social“ auf Instagram

Gäbe es sechs Level, mit welchem man das Geschick im Bedienen „moderner Technik“ (Handy, Computer, Fahrkartenautomaten, Navigationsgeräten, diverse Aufnahmegeräte…) messen könnte, hätte ich davon mühsam die zweite  Ebene erklommen. Level eins „medientechnischer Vollhorst“,  ist mit ach und krach überwunden. Jetzt bin ich ein „medientechnischer Teilhorst“. Gerade so kann ich Bilder auf Instagram hochladen, sie grob bearbeiten und ein paar Wörtchen dazu stopseln. Das war mein Stand, nach vierwöchiger Teilhaberschaft in dem großen Verein. Gestern, als ich wie so oft, etwas wirr mittels Handy, auf meinem Account herumdrückte, entdeckte ich Nachrichten für mich. Ich: „Hä?“ Eine sinnvolle Anfrage einer Followerin bezüglich einer verwendeten Farbe beim Kommodenumstyling. Ich: „Okeee, da kann man auch Nachrichten schreiben! Hilfe, wie kann ich die beantworten?“ Einfach unten in die freie Zeile zu schreiben schien mir zu profan. Wieder wildes Geklicke. Ich:“Mist!! Wo finde ich denn die Nachrichten an mich wieder?“. Irgenwann ploppte das Gesuchte auf. Ich außerstande meinen Weg dorthin mangels strukturierten Vorgehens nachzuvollziehen. Also. Inzwischen weiß ich, wie es funktioniert. Puhh! Zwei weitere Nachrichten entdeckt. „Wie ist das Wetter bei dir?“ Ich: „Hä? Warum wollen die zwei wissen, was wettertechnisch bei mir los ist?“ Dann ging mir, dem medientechnischen Teilhorst, ein Lichtlein auf. Jaaaaa, die Absender waren zwei Männer. Der Äntoni und ein anderer guy. Das müssen wirklich sehr, sehr häkelbegeisterte  Männer sein. Die wollten sich nur einleitend nach den meteorologischen Gegebenheiten bei mir erkundigen, um mir dann komplizierte Häkelmuster aus den Rippen zu leiern. Sicher, sicher! Da ist ja viel mehr möglich, als ich gedacht hätte. Wahnsinn. Deswegen auch die Umschreibung „soziales Netzwerk“ 😉 Tadah, wieder was dazu gelernt.
Und sonst? Tja, ich bin etwas hin- und hergerissen. Ich weiß nicht, ob ich so kompatibel mit einem so großen sozialen Gefüge, mit den Followern, dem Liken, dem Äntoni und anderen guys bin. Ich gucke öfter auf mein Handy als vorher. So total uneigennützig wie Mutter Teresa bin ich doch nicht. Leider. Persönliche Eitelkeiten werden schon angesprochen und irgendwie stört mich das. Der Umgang will noch erlernt werden. Gäbe es sechs Level auf der Kompetenzskala im persönlichen Umgang mit sozialen Medien, so würde ich mich auf Level eins einordnen, dem „sozialmedientechnischen Vollhorst“. Erklimme ich nicht in absehbarer Zeit höhere Gefilde, ja dann mach ich Winke, Winke und sag…

Ich und Wollläden

Meine Beziehung zu Wollgeschäften ist in letzter Zeit spannend. Das ist jetzt positiv formuliert.  In letzter Zeit hab ich also vermehrt Wollläden aufgesucht, um mir neues Arbeitsmaterial zu besorgen. Tut man ja dort. Wolle kaufen. Wollläden sind ja voll mit diesem Produkt.
Jetzt kommt das „aber“ ins Spiel. Mit meinen Produktwünschen stoße ich oft an die Grenzen des Machbaren. Nicht dass ich Wolle des kausakischen Hochebenenschafes kaufen möchte, welches von athletischen, halbnackten Jünglingen liebevoll versponnen und bei Vollmond unter rituellen Wollgesängen mit seltenen Pflanzenfasern, welche jahrzehntelang in handgemachten Eichenfässern ihre volle Farbwirkung entfaltet haben, eingefärbt wird. Nein, nein. Ich will nur Acrylgarn und manchmal ein einfaches Baumwollgarn.
Bei meinem Begehr ernte ich Blicke! „So etwas führen wir nicht!“,  „Gehen Sie mal zu Karstadt. Dort müsste es so etwas geben“ Das Ganze so von oben herab. Hab ich dann doch mal Glück in einem Laden, findet sich das Acrylgarn irgendwo tief unten im Regal oder das Baumwollgarn in einer dunklen Ecke. In einem von sieben Geschäften, erhalte ich das Gewünschte, wenn auch zu einem erheblich höheren Preis, wie im Internet.
Immer wieder gehe ich voll Vorfreude in Wollläden, um frustriert wieder herauszukommen. Es grüßt das Murmeltier.
Sorry! Ich häkle nur überwiegend Dekokram. Dafür brauche ich nicht ein Seiden-Alpaka-Gemisch, das Knäuel für 9 Euro. Ich bin ganz profan unterwegs, in meinem Hobby.
Selbst das Baumwollgarn ist Drama. Die Farbpalette unter aller Kanone. Nochmal Sorry! Anscheinend bin ich keine richtige Handarbeiterin. Verwende ich doch solchen Garnmüll. Garnmüll in den Augen diverser Wollladenbesitzer.
Jaaaaa, ich hab die Schnauze voll. Anders kann ich es nicht mehr formulieren. So eine elitäre Wollklassengesellschaft. Bum! Wieder mal blicke ich neidisch zu den Niederländern. Sie kultivieren das „profane“. Baumwolle in den schönsten Farben und nettes Häkelschnickeldi ohne Ende. Bäm.
So. Gehe jetzt ins Internet und bestell mir das was ich brauche. Ganz entspannt, ohne pikierte Blicke zu ernten. Nebenbei trink ich ein Tässchen Kaffee und genieße die angebotene Vielfalt.

Ganz was anderes – finde ich total cool!

Ein kleiner Bahnhof im Wald. Das Bahnhofshäuschen und ein kleines Nebengebäude, verfallen. Am Fahrradständer ein demoliertes, verrostetes Rad. Angekettet seit Monaten.
Zusteigemöglichkeit zur Regionalbahn. Das funktioniert.  Dieser Bahnhof würde sich nächtens wunderbar als Drehort für einen sehr, sehr gruseligen Film eignen. Habe die Atmosphäre schon mehrfach getestet. 100 Punkte.
Aber es gibt auch Schönes. An besagtem Nebengebäude hat sich ein Sprayer verlustiert. Sehr gelungen, wie ich finde. Sozusagen Graffitikunst angebracht. Seht selbst: